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Wirtschaft

29.03.2018 - Artikel

Stand: März 2018

Wirtschaftsentwicklung

Die australische Wirtschaft wächst seit über 26 Jahren in Folge und hält damit den Weltrekord von 104 Quartalen ohne technische Rezession. Aktuell verzeichnet Australien ein Wirtschaftswachstum von 2,8 %. In den letzten Jahren haben sinkende Rohstoffpreise und geringere Nachfrage jedoch zu massiven Steuerausfällen geführt.  Aktuell diskutiert die australische Regierung die Senkung von Unternehmenssteuern nach amerikanischem Vorbild, in der Hoffnung dadurch mehr Arbeitsplätze und Lohnwachstum zu generieren.

Der Arbeitsmarkt ist weiterhin in guter Verfassung, die Arbeitslosenquote liegt derzeit stabil bei 5,5 Prozent, obwohl die Bauphase zahlreicher Bergbau-, Gas- und Ölprojekte abgeschlossen ist bzw. sich dem Ende zuneigt. Für den Betrieb dieser Anlagen ist nur ein Bruchteil der Arbeitnehmer erforderlich, die während des Baus beschäftigt waren. Zudem ist die Beschäftigung im produzierenden Gewerbe rückläufig. So hat Ford die PKW-Produktion bereits Ende 2016 eingestellt, ebenso ein Teil der Werke von Holden (GM-Konzern) sowie die PKW-Produktion von Toyota. Am 20. Oktober 2017 ist der letzte in Australien gefertigte PKW in den Holden-Werken in Adelaide vom Band gelaufen. Damit endet eine fast 70-jährige Geschichte der australischen Automobilindustrie.. Diese Entwicklung hat auch gravierende Folgen für die Zuliefererbetriebe,insgesamt wird mit einem Wegfall von bis zu 40.000 Arbeitsplätzen gerechnet. Der Strukturwandel setzt sich fort. Mit über 12,4 Mio. Erwerbstätigen und einer Beschäftigungsquote von 65,5 % erreichte Australien 2017 historische Höchststände: allein im Berichtsjahr sind rund 383.000 Arbeitsplätze neu hinzugekommen, ganz überwiegend Vollzeitarbeitsplätze im Dienstleistungsbereich und mit hohem Frauenanteil – häufig im Pflege- und Gesundheitswesen.

Der Aufbau einer nachhaltigen und konkurrenzfähigen Rüstungsindustrie zur Modernisierung der Australian Defence Forces und im Besonderen für den Export von Rüstungsgütern ist ein ambitioniertes Vorhaben der australischen Regierung. Der Standort Australien soll für die Rüstungsindustrie und Zulieferbetriebe ein attraktiver und sicherer Standort werden. Die australische Regierung verspricht dauerhafte und sichere Arbeitsplätze im größeren Umfang. Insbesondere arbeitslos gewordene Fachkräfte der eingestellten Automobilindustrie und des Bergbaus sollen in den neuen Wirtschaftszweig integriert werden. Für dieses ambitionierte Vorhaben wurde 2017 der erste australische Naval Ship Building Plan und 2018 eine Defence Export Strategy erlassen und veröffentlicht. Auch um den Aufwertungsdruck der eigenen Währung zu verringern, hatte die Zentralbank Anfang August 2016 zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate den Leitzins um 25 Basispunkte auf den Rekordtiefststand von 1,5 Prozent abgesenkt. Weitere Zinssenkungen werden zunächst aber nicht mehr erwartet. Die australische Wirtschaft blickt angesichts steigender Rohstoffpreise wieder optimistischer in die Zukunft. Der AUD zeigt sich insb. seit dem US-Regierungswechsel Ende 2016 zunehmend fester ggü. dem USD.

Zunehmende Probleme bereitet Australien die schwache elektrische Netzinfrastruktur und die relativ regional orientierten Energiemärkte der Bundesstaaten. Auf Grund der dünnen Besiedlung des Landesinneren von Australien und den großen Entfernungen, bestehen nur wenige bzw. unzureichende Überlandverbindungen zwischen den einzelnen Elektrizitätsnetzen der Bundesstaaten, die dazu auch noch sehr veraltet sind. Im Zusammenspiel mit einem steigenden Anteil erneuerbarer Energie – insb. aus Photovoltaik und Windparks – und den damit verbundenen Einspeiseschwankungen führt dies zu zeitweise großen Versorgungsproblemen und massiven Preisschwankungen. In Bundesstaat South Australia (Adelaide) kam es 2016 sogar zu längeren Blackouts (teilweise über mehrere Tage). Gleichzeitig nimmt die privatwirtschaftlich organisierte Energieerzeugung große alte Kohle- und Gaskraftwerke mangels Wirtschaftlichkeit vom Netz. Ersatzinvestitionen in ressourcenbasierte Energieerzeugung werden mittlerweile von den Investoren kritisch betrachtet oder als unwirtschaftlich abgelehnt, obwohl die Regierung unverändert an einem hohen Kohleverstromungsanteil festhält. Auch die vermehrte Nutzung der australischen Gasvorkommen, die bisher in erster Linie den Export genutzt werden, für den heimischen Markt wird aktuell kontrovers diskutiert. Fehlende Speicherkapazitäten, die Insellage Australiens und ein fehlendes politisches Regelwerk für mittel –und langfristige Investitionen im Energie-und Klimabereich kommen erschwerend hinzu. Insgesamt stellen sich Australien, auch wegen der stark wachsenden Bevölkerung, große (finanzielle und strukturelle) Herausforderungen für die kommenden Jahrzehnte.

Außenwirtschaftlich legt Australien weiterhin großen Wert auf den Ausbau des Freihandels (insbesondere Abbau von Agrarzöllen und Exportsubventionen sowie substanzielle Marktöffnung für seine Agrarprodukte). Freihandelsabkommen (FHAs) sind ein wichtiges Element der Außenwirtschaftspolitik. Nachdem die Regierungskoalition Freihandelsabkommen mit Südkorea, Japan und China abschließen konnte, folgte im Oktober 2015 der Abschluss der Verhandlungen zum „Trans-Pacific Partnership“-Abkommen (TPP). Nach dem Rückzug der US-Regierung unter Donald Trump war Australien gemeinsam mit Japan entscheidend daran beteiligt, unter den übrigen 11 TPP-Staaten eine Einigung über das „Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership“ („CPTPP“ / „TPP-11“) zu erzielen, welches im 8. März 2018 in Santiago de Chile unterzeichnet werden soll.

Weiterhin sollen möglichst noch in diesem Jahr förmliche Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union aufgenommen werden.

Australien sieht dem Brexit ambivalent entgegen. Einerseits zeigte sich die australische Wirtschaft vom Votum im Vereinigten Königreich Großbritannien überrascht und sorgte sich um den Zugang in die EU, welcher bislang intensiv über die traditionell engen und exzellenten Verbindungen mit Großbritannien erfolgte; andererseits will die australische Regierung schnell eine neue Basis für die weitere enge Kooperation mit Großbritannien finden und führt offen Gespräche über die Möglichkeiten bilateraler Zusammenarbeit mit Großbritannien für die Zeit nach dessen Ausscheiden aus der EU.

Die australische Regierung hat am 1. Januar 2017 eine Einkommenssteuer von 15 Prozent für Teilnehmer des Working-Holiday-Programms eingeführt („Backpacker Tax“). Davon betroffen sind Personen, die mit einem Visum der Klassen 417 („Working Holiday Visa“) und 462 („Work and Holiday Visa“) in Australien einreisen.

Außerdem traten kürzlich Änderungen bei zeitlich befristeten Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen für Visa der Klasse 457 in Kraft, deren Auswirkungen auf den australischen Arbeitsmarkt jetzt beobachtet werden müssen.

Die politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen sind stabil.

Wirtschaftsstruktur

Australiens Wirtschaft wird vom Dienstleistungssektor dominiert (ca. 70 Prozent des BIP). Größte Einzelbereiche des Dienstleistungssektors sind Bildung, Finanzen, Tourismus, Immobilien und Unternehmensdienstleistungen. Der Bergbauanteil am BIP liegt bei rund 8 Prozent, der Landwirtschaftsanteil bei gut 3 Prozent, doch ist der Anteil dieser beiden Sektoren an Australiens Exporten mit zusammen 65 Prozent erheblich. Die Zukunftsbranchen Informations- und Kommunikationstechnologie, E-Commerce, Start-ups, Bio-, Nano- und Medizintechnologie spielen daneben eine zunehmend wichtige Rolle.

Die australische Leistungsbilanz ist traditionell defizitär. Der Fehlbetrag schwankte in den letzten Jahren regelmäßig zwischen 2 und 6 Prozent des BIP. Hierbei spielt die beträchtliche Verschuldung der privaten Haushalte ebenso eine Rolle wie die großen Investitionsvolumina für Bergbauprojekte. Daneben trägt der private Konsum hochwertiger importierter Waren hierzu bei. Die zunehmende Verschuldungsrate der privaten Haushalte wird im Wesentlichen durch den immensen und unverändert hohen Preisdruck im Bereich der Wohnimmobilien getrieben. Hiervon sind die Metropolregionen Sydney, Melbourne, Brisbane und Adelaide, aber zunehmend auch kleinere Zentren wie Canberra, besonders betroffen.

Die wichtigsten Exportgüter Australiens sind Eisenerz, Kohle, Erdgas und Gold. Der Export von (unkonventionellem) verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas bzw. LNG) wird derzeit stark vorangetrieben und soll in den kommenden Jahren weiter ausgebaut werden. Bis 2020 beabsichtigt Australien vor Katar zum weltgrößten Exporteur von LNG zu werden. Zielländer bilden in erster Linie die direkten Nachbarländer in Südostasien/Ozeanien und starke Volkswirtschaften wie Japan und Korea. Aber auch Europa und Nordamerika werden als attraktive Märkte intensiver betrachtet, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Bei Steinkohle ist Australien seit Mitte der 1980er Jahre weltweit der größte Exporteur. Wichtigster Dienstleistungsexport ist Hochschulbildung. Die wichtigsten Importprodukte sind - neben Rohöl und raffiniertem Öl - PKW und Medikamente.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

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