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Erbschaftsangelegenheiten

Auf einem orangefarbenen Papier liegt ein Füller.

Erbrecht und Nachlassangelegenheiten, © Colourbox

Artikel


Allgemeine Hinweise

Seit 17.08.2015 ist die Europäische Erbrechtsverordnung (EU-ErbVO) in Kraft, die einige wichtige Änderungen für EU-Bürger mit sich bringt. Regelt sich die Erbfolge für Deutsche bisher noch nach deutschem Recht, wird künftig das Recht am Ort des gewöhnlichen Aufenthaltes des Erblassers zum Zeitpunkt des Todes maßgeblich sein. Daraus können sich erhebliche Abweichungen zur bisherigen erbrechtlichen Situation ergeben. Die Konsularabteilung möchte Sie daher mit folgendem Merkblatt über die erbrechtlichen Änderungen informieren:

Information über anwendbares Recht auf Erbfälle

Beantragung eines Erbscheins oder Testamentsvollstreckerzeugnis

Der Zweck eines Erbscheins besteht darin, den Erben im Rechtsverkehr zu legitimieren. Der Erbschein begründet die Vermutung über die Richtigkeit und Vollständigkeit seines Inhalts und genießt öffentlichen Glauben. Insbesondere Behörden (zum Beispiel das Grundbuchamt), aber auch Banken und Sparkassen benötigen vor allem zur Führung öffentlicher Bücher und Register einen zuverlässigen Nachweis über das Erbrecht.

Der Erbschein wird auf Antrag vom zuständigen Nachlassgericht in Deutschland erteilt. Der Antrag beinhaltet unter anderem eine eidesstattliche Versicherung und muss daher vom zuständigen Nachlassgericht oder einem Notar in Deutschland oder von einem dazu ermächtigten Konsularbeamten beurkundet werden. Die Bearbeitung des Antrags erfolgt ausschließlich beim Generalkonsulat Sydney. Die notwendige Beurkundung kann dann im Generalkonsulat Sydney oder nach Absprache bei der Botschaft Canberra oder im Büro eines Honorarkonsuls vorgenommen werden.

 Zur Vorbereitung des Antrags auf Erteilung eines Erbscheins ist es notwendig, dass Sie einen Fragebogen ausfüllen, den Sie bitte unterschrieben an uns zurücksenden.

Fragebogen zur Beantragung eines Erbscheins

Außerdem sind grundsätzlich Urkunden vorzulegen, aus denen die genauen Verwandtschaftsverhältnisse des Antragstellers zum Erblasser und dementsprechend die Erbberechtigung hervorgeht. Achten Sie bitte insbesondere auf Abschnitt 3 und Abschnitte 5 - 8 des Fragebogens und erbringen Sie bitte den erforderlichen Urkundennachweis möglichst lückenlos. So können Rückfragen vermieden und das gesamte Verfahren beschleunigt werden.

Vorzulegende Unterlagen

Zusammen mit dem Fragebogen sind grundsätzlich folgende Unterlagen vorzulegen:

  • Urkunden des Erblassers: Sterbe-, Heirats-, Scheidungsurkunde; letzter Reisepass (Reisepässe bei Mehrstaatern), gegebenenfalls Staatsangehörigkeitsurkunden
  • falls vorhanden:  letztwillige Verfügung (z.B. Testament). Falls es ein Testament gibt, werden ebenfalls Informationen über ein eventuell durchgeführtes Probate-Verfahren vor dem zuständigen Supreme-Court benötigt. Sofern kein Probate-Verfahren stattgefunden hat, wird das deutsche Nachlassgericht in der Regel die Vorlage des Original-Testaments zwecks Eröffnung verlangen.
  • Urkunden des Ehegatten des Erblassers: Geburts- und gegebenenfalls Sterbeurkunde (bei mehreren Ehen entsprechend)
  • Urkunden der Abkömmlinge des Erblassers: Geburts-, Heirats- und gegebenenfalls Sterbeurkunde (zu den Abkömmlingen zählen eheliche, nichteheliche, adoptierte und legitimierte Kinder)
  • Urkunden der in der letztwilligen Verfügung aufgeführten Personen: Identitätsdokument, gegebenenfalls Sterbeurkunde
  • Urkunden der Kinder von verstorbenen Abkömmlingen des Erblassers: Geburts-, Heirats- und gegebenenfalls Sterbeurkunde
  • Urkunden von Eltern und Seitenverwandten des Erblassers (nur für den Fall, dass der Erblasser keine lebenden Kinder und/oder Kindeskinder hinterlassen hat): Geburts- , Heirats- und gegebenenfalls Sterbeurkunde
  • Reisepass des Antragstellers 

Wenn der Nachlass in der Bundesrepublik Deutschland aus Immobilien (Grundstücke, Häuser, ...) besteht, sind ferner folgende Unterlagen erforderlich:

  • Auszug aus dem deutschen Grundbuch mit genauer Bezeichnung des Grundbesitzes
  • Nachweis über den tatsächlichen Verkehrswert (falls nicht bekannt, geben Sie bitte den letzten Einheitswert an. Diesen können Sie beim zuständigen Finanzamt erfragen.) 

Wenn der Nachlass in der Bundesrepublik Deutschland aus Mobilien (Geld, Wertsachen, Sparguthaben) besteht, sind ferner folgende Unterlagen erforderlich:

  • genaue Angaben über Art und Wert der Mobilien (Bank, Konto-Nummer, letzter Kontoauszug) 

Bitte übersenden Sie an das Generalkonsulat Sydney zunächst den Fragebogen nebst allen Unterlagen in einfacher (!) Kopie per Post.

Wir bereiten daraufhin den Entwurf für die Beurkundung Ihres Erbscheinsantrages vor.

Anschließend setzen wir uns mit Ihnen wegen der Vereinbarung eines Beurkundungstermins, zu welchem Sie persönlich erscheinen müssen, in Verbindung. Zu dem vereinbarten Termin bringen Sie bitte Ihren Reisepass und die Originale aller zuvor in Kopie eingereichten Unterlagen mit.

Gebühren

Die Gebühr richtet sich nach dem Wert des Nachlasses (zahlbar in Australischen Dollar in bar oder per Kreditkarte auf Euro-Basis).

Den beurkundeten Erbscheinsantrag übersenden Sie oder Ihr Vertreter dann mit den beglaubigten Kopien der eingereichten Unterlagen an das zuständige Nachlassgericht in Deutschland zwecks Erteilung des Erbscheins oder Testamentsvollstreckerzeugnisses. Das Nachlassgericht wird für die Erteilung des Erbscheins oder Testamentsvollstreckerzeugnisses eine weitere Gebühr erheben.

Eine individuelle Rechtsberatung oder Vertretung im Nachlassverfahren kann durch die deutsche Auslandsvertretung nicht geleistet werden. Hierfür müssten Sie sich ggf. an einen Rechtsberater / Rechtsanwalt wenden.

Erbausschlagung

Nach deutschem Recht kann eine Erbschaft von dem Erben innerhalb von 6 Wochen, bei Wohnsitz außerhalb Deutschlands innerhalb von 6 Monaten, nach Kenntnis vom Erbfall durch Erklärung gegenüber dem deutschen Nachlassgericht ausgeschlagen werden.

Wenn Sie die Erklärung nicht direkt beim zuständigen Nachlassgericht in Deutschland abgeben können, kann Ihre Unterschrift auch bei einer der deutschen Auslandsvertretungen oder durch einen deutschen Honorarkonsul in Australien beglaubigt werden. Die Erklärung ist mindestens in öffentlich beglaubigter Form abzugeben.

Wenn ein Elternteil eine Erbschaft ausschlägt, geht das Erbrecht grundsätzlich auf seine Kinder über. Für die Kinder muss die Erbschaft dann ebenfalls wirksam ausgeschlagen werden. Sind beide Eltern für ihre minderjährigen Kinder sorgeberechtigt (Regelfall), müssen beide Elternteile die Erbschaftsausschlagung für ihr Kind erklären.

Für die Unterschriftsbeglaubigung ist die Vorsprache aller Personen erforderlich, deren Unterschrift beglaubigt werden soll. Bitte bringen Sie hierzu Ihren Reisepass mit.

Vordrucke, die Sie für die Ausschlagungserklärung(en) verwenden können, finden Sie untenstehend.

Zuständigkeiten

Die beglaubigte Erklärung senden Sie dann an das zuständige Nachlassgericht in Deutschland.
Als Nachlassgericht ist gem. § 343 FamFG das Amtsgericht zuständig, in dessen Bezirk der Erblasser zum Zeitpunkt des Todes seinen Wohnsitz oder Aufenthalt hatte.

Hatte ein Erblasser mit deutscher Staatsangehörigkeit im Inland weder Wohnsitz noch Aufenthalt, so liegt die Zuständigkeit beim:

Amtsgericht Schöneberg

- Nachlassgericht-

Ringstraße 9

12203 Berlin

Gebühren

Bei der Erbausschlagung fallen i.d.R. zweimal Gebühren an: Zum einen bei der Unterschriftsbeglaubigung bei der Auslandsvertretung, zum anderen beim Nachlassgericht. Die Gebühr, die Sie bei der Auslandsvertretung in bar zu entrichten haben, beträgt 20 Euro zum jeweiligen Gegenwert in australischen Dollar.

Weitere Informationen

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